Betriebs­kan­tineLecker und gesund gehen gut zusammen

Gesundes Essen muss nicht nach Verzicht schme­cken. Küchen­chef Daniel Krüger und sein Team zeigen jeden Mittag, wie aus frischen Zutaten, vertrauten Gerichten und neuen Ideen eine Kantine wird, in der alle gerne zugreifen.

Kurz vor elf hebt Daniel Krüger den Deckel eines großen Topfes. Dampf steigt auf, es riecht nach Tomaten, gerös­tetem Gemüse und Rosmarin. Der Küchen­chef probiert einen Löffel, über­legt kurz und greift zum Zitro­nen­saft. „Salz wäre die einfache Lösung“, sagt er. „Aber Säure bringt oft viel mehr.“

In einer Stunde beginnt die Mittags­pause. Bis dahin müssen rund 400 Portionen bereit­stehen: ein Gemüse-Curry, Hähn­chen mit Ofen­kar­tof­feln und als drittes Gericht Voll­korn­pasta mit einer kräf­tigen Linsen­sauce. Gesund steht auf keinem der Schilder. Daniel ist das wichtig. „Die Menschen sollen sich für ein Gericht entscheiden, weil es gut aussieht und gut schmeckt – nicht, weil sie das Gefühl haben, etwas Vernünf­tiges essen zu müssen.“

Vertraute Gerichte bleiben erhalten, ausge­wo­gene Alter­na­tiven werden attrak­tiver gemacht. So kann jede und jeder selbst entscheiden, was heute auf den Teller kommt. Neue Ange­bote über­zeugen nicht durch Verbote, sondern durch Geschmack und eine anspre­chende Präsen­ta­tion.

Mehr Gemüse, Hülsen­früchte und saiso­nale Zutaten – ohne jedes Gericht als „gesund“ auszu­zeichnen. Entschei­dend ist, was im Essen steckt und wie es zube­reitet wird. Kleine Verän­de­rungen machen vertraute Gerichte Schritt für Schritt ausge­wo­gener.

Rück­mel­dungen und tatsäch­liche Nach­frage fließen direkt in die nächsten Spei­se­pläne ein. Das Küchen­team beob­achtet, was häufig gewählt wird und was auf den Tellern zurück­bleibt. So entstehen Gerichte, die nicht nur auf dem Papier über­zeugen, sondern im Kanti­nen­alltag wirk­lich ankommen.

Gesund beginnt vor dem Herd

Der Spei­se­plan entsteht mehrere Wochen im Voraus. Dabei achtet das Küchen­team auf saiso­nale Zutaten, ausge­wo­gene Beilagen und mindes­tens eine voll­wer­tige vege­ta­ri­sche Option pro Tag. Gemüse soll nicht nur eine Neben­rolle spielen. Es bildet immer häufiger die Grund­lage eines Gerichts.

Manches wurde schritt­weise verän­dert. Sahne­saucen werden leichter, ein Teil des Flei­sches durch Hülsen­früchte ersetzt, Pommes häufiger von Ofen­kar­tof­feln abge­löst. Verboten ist trotzdem nichts. „Wer nach einer anstren­genden Früh­schicht Lust auf ein Schnitzel hat, soll ein Schnitzel bekommen“, sagt Daniel. „Aber eben nicht jeden Tag – und am besten zusammen mit etwas, das wirk­lich frisch ist.“

An der Ausgabe bekommt Daniel direkte Reak­tionen – und manchmal schon die erste Idee für den nächsten Spei­se­plan.
Ausge­wogen, saisonal und im Küchen­alltag umsetzbar: Der Spei­se­plan wird mehrere Wochen im Voraus entwi­ckelt.
Gesund­heit wird nicht extra ange­richtet: Entschei­dend ist, dass das Gericht auf den ersten Blick Appetit macht.

Der Teller entscheidet

Um halb zwölf öffnet die Ausgabe. Zuerst kommen Kolle­ginnen und Kollegen aus dem Lager, kurz darauf füllt sich der Spei­se­raum. Daniel bleibt zunächst hinter der Theke. Er beob­achtet, welche Gerichte gewählt werden und was auf den Tellern zurück­kommt. Heute liegt das Gemüse-Curry knapp vorn.

Das ist kein Zufall. Neue Gerichte werden zunächst in kleinen Mengen ange­boten und anhand der Rück­mel­dungen weiter­ent­wi­ckelt. Ist eine Portion zu groß? Fehlt Schärfe? Kommt eine neue Beilage an? Das Küchen­team fragt nach – und sieht genau hin. „Ein ausge­wo­genes Gericht bringt nichts, wenn es niemand bestellt“, sagt Daniel. „Wir müssen beides schaffen: gute Zutaten und Lust aufs Essen.“


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